Indien-Schüleraustausch 2010

Tag 1:
Am 13.05.2010 war der große Tag endlich gekommen. Der Informationsabend hatte uns zuvor einige Einblick darüber gegeben, was uns die kommenden vier Tage erwarten würde, doch dies war nur ein kleiner Teil dessen, was uns das verlängerte Wochenende brachte.

Um circa 12.30 Uhr versammelten sich die Schüler und deren Eltern und einige Lehrer des Röntgen-Gymnasiums vor den großen steinernen Toren Schloss Burgs. Die meisten Gesichter waren vor Spannung geprägt und die wenigen Minuten Wartezeit wurden zur ersten Zerreißprobe der Nerven des gesamten Schüleraustausches. Als dann die Gruppe aus Indern mit ihren Gastfamilien des Gymnasium Bayreuther Straße erschien war diese Zeit dann doch endlich überwunden und Neugierde machte die Runde. Nun wurden endlich die einzelnen indischen Schülern, den Gastfamilien zugeteilt und die zuerst etwas distanzierte Haltung änderte sich in ein offenes und freundliches kennen lernen.
Anschließend fuhren alle Gastfamilien mit ihrem „Gastinder“ nach Hause, damit Sachen verstaut werden konnten und ein erstes Beschnuppern im privaten Kreis möglich war. Jedoch war an entspannen nicht zu denken, denn der nächste Programmpunkt stand nun schon an.
Damit wir einen Rundgang durch Lennep machen konnten vereinbarten wir einen Treffpunkt um 15.30 Uhr auf dem Marktplatz in der Lenneper Altstadt. Also machten wir uns nach Verstauen des Gepäcks auf den Weg in die Altstadt. Dort wurde die Gruppe aus Indern von Herrn Hammes herumgeführt. Das erste was die Inder faszinierte waren die vielen Schieferhäuser, die sich durch die gesamte Altstadt erstrecken. Aufgrund von Herrn Hammes guten Englischkenntnissen war es kein Problem zu erklären, dass diese Schiefern ein Witterungsschutz sind und da es in Remscheid häufig regnet früher mehr als sinnvoll waren. Weiter ging es vorbei an Wilhelm Conrad Röntgens Geburtshaus, dem Rest des alten Stadtwalles und vielem mehr. Am Schluss der Führung durch Lennep gelangten wir zum Röntgen-Museum wo Patrick Schneller freundlicherweise eine Führung, natürlich auf Englisch, übernahm. Durch die jüngste Restaurierung, die das Museum internationalen Besuchern einen Besuch ermöglichte, da nun auch englische Informationstexte vorhanden waren, war auch dieser Einblick in die Remscheider Geschichte ein voller Erfolg.
Geschafft von diesem ersten geschichtlichen Rundgang, in dem wir unsere Gastschüler schon etwas besser kennen lernen durften, machten wir uns auf in das Eiscafe Rosa Blu, denn eine kühle Stärkung hatten wir uns auf jeden Fall verdient. Auch das die Kellner keine Englischkenntnisse besaßen war kein Problem, denn die deutschen Gastschüler übersetzen schlichtweg ihre Gastbrüder und Gastschwestern.
Doch die Stimmung des ersten Tages war etwas betrübt, denn wahren des Eisessens brach einer der Gastschüler in Tränen aus, da er mit 11 Jahren trotz das er schon viel alleine reiste Heimweh hatte. Mit Fingerspitzengefühl kümmerten sich deutsche und indische Schüler und es wurde ein Kompromiss für den ersten Tag gefunden. Er durfte die erste Nacht bei einem seiner indischen Gastfreunde verbringen.
Nachdem das Eisessen offiziell beendet wurde, konnten der Abend genutzt werden wie es beliebte. So verbrachten einige Schüler den Abend ganz privat in den Gastfamilien, einige nutzen die Gelegenheit und trafen sich in Kleingruppen und wiederum andere organisierten ein Willkommensessen mit anschließender Kommunikation unterlegt von Musik.
Der erste Tag hatte schon gezeigt, dass es anstrengend werden würde, jedoch auch, dass dieser Austausch auch sehr viele schöne Momente bereithalten wird.

Tag 2:
Der zweite Tag ist angebrochen. Um 7.50 Uhr wurden wir bereits in der Schule erwartet. Dennoch kamen wie immer einige der SchülerInnen mit Ihren indischen GastschülerInnen zu spät. Wir hatten mittlerweile herausgefunden, dass die Inder immer etwas gemütlicher und langsamer sind als wir Deutschen. Endlich gegen 8.00 Uhr waren auch die letzten eingetrudelt. Dann führten einige SchülerInnen die Gastschüler durch die Schule. Andere machten sich für ihren großen Auftritt bereit. Die Vorbereitungen für die Aufführungen waren langwierig. Nach Wochenlangem Üben waren alle sehr aufgeregt ihre einstudierten Stücke vorzuführen. Sogar der WDR war dabei um die Begrüßung zu dokumentieren.

Als erstes wurde eine Schülerin des Röntgen-Gymnasiums interviewt. Danach um 8.40 Uhr hat das Begrüßungsprogramm letztendlich begonnen.

Als kleine Überraschung haben alle deutschen SchülerInnen sich auf Hindi vorgestellt. Danach leiteten Steffen Bäcker und Katharina Michel durch das abwechslungsreiche Programm. Nachdem wir Einblicke in das deutsche Leben durch Standarttänze und Musikstücke, die in langer Arbeit mit Frau Menze einstudiert wurden, dargeboten hatten, boten uns auch unsere Inder etwas. Sie präsentierten ihre Schule und ihren Schulalltag ebenso wie einen kulturüblichen Tänze.

Ab circa 10.45 Uhr nahmen wir dann alle an dem normalen Schulunterricht und anschließendem Pizzaessen in der Schule teil.
Als nächstes fuhren wir mit dem Bus nach Remscheid um an einer offiziellen Begrüßung im Rathaus durch den Bürgermeister Herrn Schichel teil zunehmen. Mit ihm besichtigten wir den Rathaus Turm und das Turmzimmer, von diesem waren die indischen Gastschüler schwer beeindruckt da dort schon viele Hochzeiten stattgefunden hatten. Aufmerksam lauschten wir den weiteren Ausführungen des Bürgermeisters. Anschließend gingen wir alle unter großer Freude deutscher und indischer GastschülerInnen in Remscheids City shoppen.

Gegen 17.30 Uhr fuhren wir zurück nach Lennep um die restliche Zeit individuell zu verbringen. Viele der SchülerInnen gingen zum Abschluss des Abends zu Niklas Sträter nach Hause um sich eine DVD an zuschauen. Gegen Mitternacht beendeten wir dann diesen erlebnisreichen Tag und fielen müde ins Bett.

Tag 3:
Am heutigen Tag konnten alle zum Glück etwas länger schlafen, da unser angesetzter Termin erst um 10:00 Uhr war. Da alle deutschen GastschülerInnen über die Gemütlichkeit der Inder Bescheid wussten, kalkulierten sie genügend Zeit ein, dass alle pünktlich um 10.00 Uhr am Lenneper Bahnhof erschienen. Unser heutiges Ziel sollte Solingen sein, denn wir wollten zu Schloss Burg wandern, um unseren asiatischen Gästen ein wenig übers Rittertum beizubringen.
Das erste Highlight dieses Tagesausfluges offenbarte sich jedoch schon auf der Hinfahrt. Zu dieser Zeit wurden Reparaturen an der Müngstener Brücke durchgeführt, sodass der Zug nur in gemächlichem Tempo die lange Brücke passieren konnte. Unseren Gästen wurde also ein einzigartiges Panorama bereitgestellt. Viele waren über das große Waldareal verwundert und bewunderten die vielen verschiedenen Grün-Töne, die bis an den Horizont reichten.
Um ca. 10:45 Uhr erreichten wir unseren Zielbahnhof, Solingen-Schaberg, und begannen unsere Wanderung zu Schloss Burg. Dem ein oder anderen Austauschschüler leuchtete ein Schrecken, der mehr oder weniger groß war, übers Gesicht, da sie es in ihrer Heimat nicht gewohnt sind aus Spaß längere Distanzen zu Fuß zu absolvieren.
Unser Weg führte uns vorbei an einem im Wald gelegenen Spielplatz, dem sowohl alle Schüler, als auch Lehrer Spaß abgewinnen konnten. Weiter gingen an der Wupper entlang und das Wetter war uns auch gut gesonnen, sodass einer schönen Wanderung nichts mehr im Wege stand. Da der Ausflug natürlich nicht nur Spaß machen sollte, sondern auch ein paar Informationen beinhalten sollte, erzählte Herr Hammes Informatives aus seinem Repertoire über die frühere Wasserqualität, die sehr schlecht war, sodass früher ein moderiger Geruch über diesen Teil der Wupper wehte, und über die Entstehung der Müngstener Brücke. Weiter ging es nun zur Schwebefähre, da wir die Wupper ja auch irgendwie überqueren mussten. Hier sollten Kraft, aber vor allem Teamzusammenhalt gezeigt werden, da das auf Drahtseilen gesicherte Gefährt mit Drücken und Ziehen eines riesigen Hebels angetrieben wurde. Natürlich gelang uns diese Aufgabe mit Bravour und unsere Wanderung konnte weitergehen. Mittlerweile häufte sich die Frage: “When will we arrive?“ von unseren Schützlingen, aber es war nicht mehr weit. Auf den letzter Metern ließ die Leistung aller etwas nach, sodass die Lehrer wieder etwas Motivation ins Spiel bringen mussten, damit unsere Trödelei nicht den Zeitrahmen sprengte.
Etwas gehetzt durch die Lehrer gelangten wir aber völlig im zeitrahmen drinnen die letzte Station unserer Wanderung: Die Seilbahn. Oben angelangt gingen wir zügig in die Burg hinein, um unseren Rundgang zu beginnen. Abschließend zum Rundgang aßen einige noch ein paar Snacks, dann machten wir uns wieder auf den Weg in die Schule, wo wir mit einem leckeren Waffelessen begrüßt wurden.
Nach dieser leckeren bergischen Spezialität, konnten wir den Rest des Tages, es war nun circa 16:30, einteilen wie wir wollten. Und so endete auch der dritte Tag.

Tag 4:
Schließlich lief der Austausch auf sein Ende zu. Der Wecker klingelte heute bereits um halb 6 und unser Tagesplan war voll gepackt und erlaubte keine Verspätung.
Zuerst wurde das Gepäck in die Schule gebracht, da dieses direkt in den Reisebus der Inder verfrachtet wurde, der das Gepäck dann zum Bahnhof in Linz fuhr. Um 7:30 Uhr begann dann auch schon die anstehend Zugfahrt nach Köln. Nach einer guten Stunde Zugfahrt kamen wir an und da der Bahnhof ja direkt an der Domplatte gelegen ist, konnte die Sight-Seeing-Tour direkt begonnen werden. Zuerst gab Herr Hammer wieder einige interessante Informationen über den Kölner Dom preis und anschließend wagte sich die gesamte Gruppe in dieses mittelalterliche Bauwerk. Leider wurde uns ein Durchgang durch das gesamte Gebäude verwehrt, da gerade eine Messe abgehalten wurde. Trotzdem konnten wir unsere Gäste mit diesem einzigartigen Bauwerk beeindrucken.
Weiter gingen wir am Römisch-Germanischem Museum vorbei, zum reingehen hatten wir leider keine Zeit, sodass nur Informationen über die draußen ausgestellten Stücke mitgeteilt wurden. Schnellen Schrittes gingen wir durch Köln und den Indern wurde hier und da eine Information zugesteckt. Ein weiterer Höhepunkt waren die beiden Statuen „Tünnes“ und „Scheel“. Voller Freude tätigten die AustauschschülerInnen die alte Geste, die Nasen der beiden zu reiben, um so etwas Glück mit zu nehmen.
Da die Zeit uns bereit im Nacken saß huschten wir so schnell wie wir konnten zum Bahnhof, um nicht den Zug nach Bonn zu verpassen. In Bonn angekommen liefen wir wieder so schnell wie möglich weiter zum Rhein. Dort angekommen begrüßte uns Herr Singh herzlich und wir bestiegen die Rheinprinzessin, ein Boot, das uns nach Linz bringen sollte.
Wieder spielte das Wetter super mit und es wurde eine sonnige Bootsfahrt, die genutzt wurde um die grade erst geschlossenen Freundschaften zu festigen, indem E-Mail-Adressen und ähnliches ausgetauscht wurden. Als das Boot in Linz hielt wussten alle bereits, dass der Abschied bald bevorstand.
Doch vorher wurden wir alle nochmal von Frau Pirags zum Bahnhof gescheucht, da die Zeit wieder drückte.
Am Bahnhof stand dann nun auch der Abschied bevor. Es war ein herzlicher Abschied und auch die eine oder andere Träne floss Wangen herunter. Doch es musste so sein. Die Türen des Zuges schlossen sich und die Inder waren auf dem Weg ihre Europareise fortzusetzen.