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"Freizeit" ist in Peking ein Fremdwort

Von Kerstin Neuser

Jugendliche in China haben eigentlich immer Schule. Von 7.30 bis 17 Uhr ist Unterricht, danach bis 22.30 Uhr Hausaufgaben-Zeit. "Wir haben gefragt was die Schüler in ihrer Freizeit machen", erinnert sich Helen Kramer: "Da mussten wir erstmal erklären, was wir meinen - so mit Schwimmen gehen oder Freunde treffen."

Die Antwort war Achselzucken und ein verlegenes Lachen: Freizeit kennen die Jugendlichen in Peking eigentlich gar nicht.Es war eine völlig andere Welt, die 50 Gymnasiasten vom 22. März bis 1. April kennen lernten: Sie alle lernen Chinesisch als Fremdsprache und hatten sich für eine die Studienreise mit Lehrerin Dr. Antje Benedix angemeldet.

"Wir haben die Schüler bewusst in den Alltag geschubst", sagt Benedix: Alle Eintritts- und Fahrkarten mussten sie selbst kaufen. Neben den Touristen-Klassikern von der Mauer bis zum Tian'anmen-Platz tauchten die Schüler so ein in das Leben fernab der Hochglanz-Seiten des sozialistischen Staates.
 
In Erinnerung bleibt die unsägliche Schere zwischen Arm und Reich: "Man sieht dort keine Mittelklasse-Wagen - sondern Luxusautos oder Leute auf dem Fahrrad." Schülerin Helen Kramer haben sich die vielen Bettler ins Gedächtnis gebrannt, die oft bei Arbeitsunfällen Hände oder Füße verloren haben und deren Leid aus tiefen Augenhöhlen spricht. "Das ist viel krasser als bei uns." China kennt keine sozialen Sicherungssysteme; es ist ein Land der Gegensätze. Oder, wie Antje Benedix es ausdrückt: "Peking packt jeden Besucher - in der einen oder anderen Hinsicht."
 
Diese andere Seite erlebten die Remscheider beim Besuch zweier Schulen. 44 Apple-Flachbildschirme im Klassenzimmer, verspiegelter Ballett-Saal und ein eigenes Sport-Stadion neben dem Schulhof - das würden sich die Schüler auch hier wünschen.
 
Wie in allem sind die Dimensionen in China ganz andere: Die durchnummerierten Schulen sind meist groß wie ein Campus. "Die Schüler kamen uns gerade in ihren Uniformen vom Frühsport entgegen", erinnert sich Helen Kramer: "Alle hintereinander, das hörte gar nicht mehr auf." Mit ihren 2700 Schülern ist die 20. Mittelschule noch vergleichsweise überschaubar. Genau deswegen hatte Dr. Benedix einen Besuch dort arrangiert: Langfristig, so hofft sie, könnte ein Schulpartnerschaft mit dem RöGy entstehen. "Wir starten erstmal mit E-Mail-Partnerschaften."
 
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Chinesisch Unterricht
 
Remscheid bietet als einzige Stadt bundesweit flächendeckend Chinesisch-Unterricht in der gymnasialen Oberstufe an. 2011 finden die ersten Zentralabi-Prüfungen statt.
 
Lehre: Die Sinologin Dr. Antje Benedix startete als "fiegende Lehrerin" an allen vier Gymnasien. Inzwischen wählen so viele Schüler Chinesisch, dass Christine Warmer als zweite Sinologin unterrichtet.

Quelle: RGA-Online vom 08.04.2010